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Die Sparkasse Rotenburg Osterholz blickt auf das erste Halbjahr 2020 zurück

Vorstandsvorsitzender Ulrich Messerschmidt nimmt Stellung zu den besonderen Herausforderungen, die diese Corona-Krise mit sich gebracht hat.

Wie steht es um den aktuellen Geschäftsbetrieb der Sparkasse?

Wir sind sehr froh, dass sich die Corona-Entwicklung aktuell entspannt hat und wir so wieder den Normalbetrieb aufnehmen
können. Unsere Kunden können sich nun wieder vollumfänglich und face-to-face beraten lassen.

Was waren die größten Herausforderungen für Sie als Sparkasse?

Für diese Ausnahmesituation hatte wohl kein Unternehmen weltweit einen festen Fahrplan. Unser Fokus lag zunächst darin, den
Geschäftsbetrieb der Sparkasse sicherzustellen und gleichzeitig unsere Kunden und Mitarbeiter vor einer möglichen Ansteckung zu schützen.

Daher haben wir mit Beginn der Pandemie sehr schnell reagiert und unsere Geschäftsstellen vorübergehend für den Service geschlossen. Die Beratungstätigkeit haben wir aber während der gesamten Zeit fortgeführt. Durch Homeoffice, Schichtarbeiten und die flexible Arbeitszeitgestaltung wurde der Geschäftsbetrieb und gleichzeitig eine ggf. erforderliche Kinderbetreuung sichergestellt.

Und wer hätte gedacht, dass unsere gesamte Belegschaft jemals mit einem Mund-Nasen-Schutz und unsere Geschäftsstellen mit mobilen Spuckschutzwänden auszustatten sind?

Vorstandsvorsitzender Ulrich Messerschmidt

Für wie krisenfest halten Sie die Wirtschaft und wie haben Sie Ihre Firmen- und Gewerbekunden unterstützt?

Wir halten die Wirtschaft in unserem Geschäftsgebiet für sehr stabil. Viele Betriebe haben in den letzten Jahren gut verdient, Eigenkapital gebildet und verfügen daher über einen Risikopuffer. Das zahlt sich in Krisenzeiten aus.

Zu Beginn der Krise war der Beratungsbedarf sehr hoch. In persönlichen Gesprächen wurden die Fördermöglichkeiten von der N-Bank oder der KfW ermittelt und eine Beantragung vorbereitet. Aktuell steht das Thema Tilgungsaussetzung im Vordergrund. Für diesen Zweck haben wir kurzfristig unsere Sachbearbeitungskapazitäten auf die schnelle Bearbeitung der Liquiditätshilfen ausgerichtet.

Wie sieht die Situation im privaten Kreditgeschäft aus?

Viele unserer Privatkunden sind wie in ganz Deutschland auch in unserer Region von Kurzarbeit betroffen und müssen finanzielle Einbußen verkraften. Für insgesamt 2.250 Darlehen, sowohl privat als auch gewerblich wurden in den vergangenen Monaten schnell und unbürokratisch Darlehensraten in Höhe von rund 3,3 Mio Euro aufgeschoben. Die Nachfrage von Konsumentenkrediten verzeichnet einen Rückgang um rund 25 %. Fast schon überraschend, dass die Anfragen für Wohnungsbaufinanzierungen dagegen deutlich zugenommen haben.

Was hat sich in der Corona-Krise besonders bewährt?

Da ist ganz klar unser Kunden-ServiceCenter hervorzuheben. Es war nach der vorübergehenden Schließung unserer Geschäftsstellen für nahezu alle Kunden erster Ansprechpartner und ist es weiterhin – via Telefon, E-Mail oder Chat. Daher wurde das Kunden-ServiceCenter auch massiv mit Mitarbeitern verstärkt und kann bislang ein sehr hohes Service-Level aufrechterhalten.

Unsere Internetfiliale ist mit monatlich mehr als einer halben Million Nutzern und 3,6 Millionen Transaktionen stark frequentiert. Viele Produkte sind inzwischen direkt online abschließbar.

Auch die Präsenz unserer Sparkasse auf Facebook oder Instagram hat sich während der Krise bewährt. Viele unserer Kunden konnten sich über diesen Weg immer über aktuelle Veränderungen informieren.

Wo sehen Sie die stärksten Veränderungen?

Einen deutlichen Zuwachs von 1.600 neuen Nutzern kann die Sparkassen-App vermelden, die gerade erneut durch Finanztest zum Testsieger ausgezeichnete wurde.

Besonders deutliche Zuwächse um 20 % lassen sich auch bei der Umsatzbetrachtung mit der Sparkassen-Card feststellen. Mehr als die Hälfe der Transaktionen wurden kontaktlos getätigt. Eine Steigerung zum Vorjahr um 142 %! Der deutliche Anstieg des kontaktlosen Bezahlens verstärkt natürlich den Druck auf den Einzelhandel. So kam es unseren Einzelhändlern zu Gute, dass sie bereits mit den neuesten Bezahl-Terminals ausgestattet waren.

Sehen Sie in der Krise auch Chancen? Was nehmen Sie mit?

Die Corona-Krise hat zum Teil massive Auswirkungen auf unseren Alltag. Und natürlich wissen wir um die Not vieler Unternehmen, Organisationen und Vereine. Aber ja, in jeder Krise stecken auch Chancen. Vor allem in der digitalen Entwicklung!

Wir mussten uns in kürzester Zeit auf einen intensiven digitalen Austausch einstellen – sowohl im internen Geschehen als auch extern mit unseren Kunden. Das alles hat überraschend gut funktioniert und wird mit Sicherheit auch in Zukunft eine tragende Rolle spielen.

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